APC – TAG 1

Montag.
Ich hätte eigentlich 5,5h Schlaf gehabt, aber die Nacht war der Horror. Der Ventilator meines Mitbewohners war so laut, tausend Mücken haben mich zerstochen und es hat mich überall gejuckt.
Also bin ich wirklich gar nicht ausgeschlafen, motiviert und glücklich wache ich aber trotzdem auf.
Ich packe leise alle meine Sachen zusammen und mache mich dann auf die Reise.
Meinen kleinen Rucksack lasse ich mit Schuhen und ein paar Dingen für Pokhara im Hostel. Der Storage Room ist kostenlos, wenn man hier nochmal eine Nacht verbringt. So eine geile Idee und so simpel.
Ich liebs.
Kein unnötiger Extrastress, keinen großen Profit drausschlagen. Einfach nur: hey ihr kommt eh von eurem Trek wieder zurück und braucht mindestens noch nen Tag Ruhe – pennt halt noch einmal hier.
Geiles Marketing.
Dann wandere ich auch schon in aller Frühe los zur Busstation. Dort wartet Bisman schon auf mich.
Auf dem Weg kommt mir eine riesige nepalesische Gruppe in Trainingsanzüge entgegengejoggt. Das sind locker 50, aber eher schon etwas älter – junge Erwachsene. Es würde mich total interessieren, wozu die gehören.
Ich find’s total cool und lächele alle an. Ein paar Lächler und Guten Morgen bekomme ich auch zurück.
Um 6:30 geht es mit dem Bus los. Ein lokaler Rumpelbus.
Ich schreibe an meinem Reiseblog, merke aber jetzt deutlich den wenigen Schlaf.
Heute werden wir noch 5h wandern, also versuche ich auch, mich irgendwie zu erholen. Ist sehr schwierig.
Ich hab ziemliche Kopfschmerzen und auch noch meine Tage – Bauchkrämpfe und Rückenschmerzen. Man ey, so ein blödes Timing, aber naja so ist die Natur. Das wird auch noch spannend, wie das auf den Stehklos so laufen wird.
Ich benutze, seitdem ich reise, sowieso nur noch Tampons und nicht mehr die Menstruationstasse. Das ist mir einfach hygienischer für unterwegs, wenn ich die Tasse nicht wirklich auswaschen kann. Ma schauen..
Neben mir sitzt eine alte Nepalesin, die mit ihrer Tasche weit auf meinem Schoß ist, das stört aber nicht weiter.
Ich nicke wohl doch kurz ein, weil ich nicht merke, wie sie aussteigt und dass ich wieder 2 Plätze frei habe. Juhuuu.
Der nächste Albtraum folgt direkt: Es wird lautstark im Bus nepalesische Musik angemacht. Die Soundqualität ist der blanke Horror, die Lautstärke ist viel zu hoch und ich könnte heulen.
Mein Kopf hämmert wie verrückt – ich versuche mit meinem Bandana und meinen Kopfhörern eine Soundbarriere zu bauen, klappt aber gar nicht.
Jedes Mal wenn ein Song zuende ist, bete ich kurz.
Shit ey werden das lange 5h.
Pipipause – ich kaufe mir Cracker, die nach TUC schmecken und werde wieder etwas wiederbelebt.
Die Musik ist immer mal wieder für eine Weile aus und ich schöpfe Hoffnung, dann ballert sie wieder auf voller Lautstärke.
Ich schaffe es irgendwann für eine Weile zu dösen und fühle mich danach viel viel besser.
Wie ich nach so ner Tour aber noch 5h wandern soll, ist mir ein Rätsel haha.
Wird spannend.
Irgendwann heißt es endlich aussteigen.
Ich kaufe mir einen Apfel, mein Guide noch ein paar Snacks für den Trek und dann wollen wir gerade loswandern, als ein Typ uns anspricht.
Er fährt den Local-Bus und meint, er kann uns für 300 Rupees mitnehmen. Das machen wir, weil die erste Strecke eh nur an der Jeep-Straße lang und nicht so schön wäre.
Also geht es nochmal in einen Rumpelbus – ach jeee. Das sind jetzt allerdings maximal 20 Minuten und der Ausblick ist hier schon atemberaubend.
Ich bin gerade nochmal eingenickt, also bin ich wirklich sehr verklatsch, als der Busfahrer uns aussteigen lässt.
Und dann geht die Wanderung auch schon los.

05.06.2023 Mein Reisebuddy ^^
05.06.2023 Zwei Blümchen fürs Haar gefunden

Zunächst geht es weiterhin an der Jeepstraße entlang. Es kommt kurz der Gedanke OH OH, war der Circuit die richtige Entscheidung?!
Aber die Natur wird jetzt schon wunderschön. Unter mir befindet sich tatsächlich ein klarer Fluss – wie ist das denn möglich in Nepal?
Ich komme recht schnell in meinen Rhythmus und habe unglaublich Bock, zu wandern.
Es ist mittlerweile halb zwei, als wir loswandern. Also mal sehen, wie viel wir heute schaffen. Mit jedem Meter wird die Natur schöner und schöner. Mit jeder Ecke, um die man biegt, verändert sich die Landschaft und es tauchen neue Berge auf. Ich laufe einfach nur grinsend durch die Gegend und fühle mich total vollkommen.
Zwischendurch bleibe ich immer wieder stehen und schaue einfach nur sprachlos in die Natur. Ich bin so baff. Es ist alles so vielfältig.
An einer Stelle, an der auch ein Tea-House ist, entdecke ich plötzlich die ersten schneebedeckten Bergspitzen. Ich kann mich nicht mehr zurückhalten, schreie WOOOOW und laufe auf diese Berge zu. Eine Nepalesin macht mich nach und lacht. Haha. Upssiiii, aber es sieht auch einfach so toll aus.
Das Wetter sah vorher nach Regen aus, ist mittlerweile aber ziemlich klar.
Ach wie toll.

05.06.2023 Kein Kommentar von Nöten…….

Es gibt auch wahnsinnig viele, wunderschöne Schmetterlinge – ich bin so so glücklich :’) Bei jedem Schmetterling bleibe ich gefühlt 5 Minuten stehen und freue mich wie ein kleines Kind. Bishiman weiß nach ein paar Malen auch schon, wie der Hase läuft.
Er meint, er sieht sonst nie so viele Schmetterlinge wie heute, woraufhin ich antworte, dass er sie vielleicht sonst auch einfach nicht so aktiv wahrnimmt, weil niemand lacht, und BUTTERFLYYYYYYY schreit haha.
Dann fühle ich mich auf plötzlich, als wäre ich bei Alice im Wunderland gelandet und würde in einen Traum eintauchen.
Vor mir fliegen auf einmal 10 gleichartige blau, gelb leuchtende riesengroße Schmetterlinge im Kreis und ich kann meinen Augen kaum trauen. Sie fliegen in einer Reihe hintereinander her und umrunden einmal meinen Körper, wie in einer Zeichentrick-Animation.
Sie sind alle so wunderschön und ich stehe mit offenem Mund und leuchtenden Augen einfach nur da und beobachte dieses Wunderwerk. WIE WUNDER SCHÖN. Ich kann’s gar nicht fassen und bleibe hier erstmal ewig stehen.
Als Grund für diese Familienversammlung erkenne ich leider, dass auf dem Boden einer von ihnen zertreten worden ist. 🙁 Armer kleiner Freund.
Daneben hoppst plötzlich auch noch ein Frosch lang und ich freue mich einfach nur so sehr über die Natur.
Den gesamten Weg über entdecke ich riesengroße Schmetterlinge in den verschiedensten Farben. Ganz viele kleine, violett leuchtende. Ein riesengroßer lila-brauner Schmetterling, der mein Favorit des heutigen Tages ist. Und noch so viele weitere einzigartige Farben.
Ich lerne, dass Schmetterling auf nepalesisch “Patalli” heißt und sage: “Malai Patalli monporza”, was “Ich liebe Schmetterlinge” heißt.
Ich sehe die gleichen Grillen wieder, die ich auch in Südafrika schon so cool fand: Die, die innen rot sind und ihre knallige Farbe aber erst zeigen, wenn sie hüpfen.
Ich merke, wie ich mich mehr und mehr für diese wundervolle Tierwelt begeistere. Wir sehen eine riesige Libelle, die einen ziemlich pelzigen Körper hat und dicker ist als die Libellen, die ich kenne. Schwarz-weiß und wunderschön.
Außerdem eine tote Schlange, die ich auch unfassbar cool finde.

Ein paar Grashüpfer im Gebüsch und wie immer natürlich auch Büffel.
Einmal müssen wir eine Weile warten, bis ein Mann seine Büffelmama und ihr Kind den Berg hochgetrieben hat, weil die Mama wohl recht aggresiv ist. Verrückt haha. Mein Guide erzählt mir, dass er einmal tatsächlich auf einen Baum flüchten musste und der Büffel fast mit seinen Hörnern den Baum zersmasht hat.
Jaja – hört sich etwas an wie die Story von früher in der Schule, dass ein Kind sich beim Kippeln das Genick gebrochen hat, aber seine Geschichte wirkt tatsächlich sehr authentisch in Kombi mit seiner Vorsicht vor den Büffeln haha.
Ich übe mal wieder etwas mein nepalesisch, jetzt habe ich ja einen neuen Nepalese, der nicht schon vollkommen gelangweilt von den gleichen fünf Sätzen ist. 😉
UND UND UNDDDDDD. Ich höre von ihm, dass meine Ausprache sich echt gut anhört. Woooooooow darüber freue ich mich SO SO SEHR. Es fühlt und hört sich immer so verkorkst an haha.
Wir machen eine kleine Rast und die Leute dort sind mega lieb. Wir lassen uns zu einem Tee überreden, obwohl es mittlerweile schon recht spät ist und wir noch 1,5h wandern müssen. Aber komm, ein Tee kann nicht schaden. Die Gesellschaft macht Spaß und der Tee ist lecker.

05.06.2023 A nice little cup of teaaa

Dann geht es auch schon weiter.
Die nächste Rast machen wir an einer kleinen Hütte, wo Gras angebaut wird. Mein Guide kauft erstmal Gras für alle seine Freunde, weil das hier eben vollkommen organisch ist und ich find’s mega lustig haha. Und es ist so so günstig im Gegensatz zu Deutschland – Wahnsinn!

05.06.2023 So eine ästhetische Frau irgendwie

Damit im Gepäck geht es also weiter haha.
Das nächste Highlight für mich ist eine Wegabsperrung.
Was daran so toll sein kann?
Mit einem Bambusstab wurde der Weg gekreuzt und daran hängt ein Zettel, der besagt, dass die Straße wegen Bauarbeiten gesperrt ist, und man eine Telefonnummer anrufen soll, wenn man hier durchgehen möchte. Was eine geile Sache haha.. Ich liebs so sehr.

05.06.2023 Idiotensicher hahaha

Bauarbeiten mit Steinschlag.
In Deutschland: TÜV, ALLE EVAKUIEREN, ALARMSTUFE ROT!!!
In Nepal: Bambusstange und: “Ey Leute kein Problem, ruft an, gebt Bescheid, dann lassen wir euch durch.
Da keiner ans Handy geht, wird sich einfach langsam vorangetastet und mit Rufen und Jubeln auf sich aufmerksam gemacht, bis die Bauarbeiter das hören und uns durchlassen. AHAHAH.
Mit meinem Guide und mir sind an diesem Abschnitt auch zwei andere Nepalesen dabei. Sie unterhalten sich mit Bishiman und ich höre mit einem Ohr zu. In einem Nebensatz höre ich “Dimi cotti borca bayo” und antworte “Uneiss”.
Ich bekomme einen unglaublich überraschten, verblüfften Blick und HALLELUJA fühlt sich das geil an haha. Er hat Bisman gefragt, wie alt ich bin und ich habe geantwortet.
HEHEHEEEEE YEHOOOWWWW. Ein riesiges Erfolgserlebnis für mich.
Wir krakseln über loses Geröll vorsichtig über die Baustelle, einer der Nepalesen geht vor und gibt mir energische Anweisungen, bei welchen Steinen ich abrutschen würde hahaha.
Ich glaube, er weiß nicht, wie gerne ich klettere und welch gutes Auge ich dafür doch habe ;)) und dass ich nieeemals ausrutsche oder hinfalle.

Abenteuer, Abenteuer, Abenteuer, bis wir wieder festen Boden unter den Füßen haben.
Ich genieße jede einzelne Sekunde. Als wir an den Bauarbeitern vorbeilaufen rufe ich ihnen zu “YOU’RE CRAZY!! CRAZY!! PEOPLE!!”, woraufhin sie lachen und meinen “Yeah yeah government is crazy and Nepali people are crazy”. Die sind mir alle sehr sympathisch und ich freue mich über diese tolle kleine Begegnung.
Ab damit, einmummeln in der kleinen großen Kammer für diese Menschlein in meinem Herzen.
Es geht munter weiter. Das einzige “Negative” heute an dieser Wanderung sind meine Knie, die mir irgendwie echt wehtun, und ich mache mir etwas Sorgen, ob sich dass die nächsten Tage verschlimmert. Naja – mal sehen. Voltaren und Tape habe ich auf jeden Fall dabei, aber nicht vor, das zu nutzen.

Je länger ich laufe, desto sicherer bin ich, dass der Circuit die richitge Entscheidung war.
Alleine heute ist die Landschaft schon so vielfältig. Und 9 Tage kommen ja noch!!
WHAAAATTTTTTT!!!!
Riesige Maisfelder, wundervollen Berge, Wasserfälle, nepalesische Palmen, regenwaldartige Abschnitte. Es ist einfach unglaublich.

05.06.2023 Und überall diese wunderschönen, kleinen Häuschen am Berg

Das, was mich immer am meisten beeindruckt ist diese Plastik. Das kann man leider nie mit der Kamera einfangen, aber diese zahlreichen Schichten an Natur. Die Berge, die Terrassen, die endlosen Bäume. Alles sieht so lebendig aus und diese 3D Struktur saugt mich so unglaublich ein. Ich kann nicht anders, als jedes Mal wieder mit offenem Mund dazustehen.
Und jedes Mal, wenn meine Gedanken eine Weile gewandert sind, kommt wieder die Realisation, dass ich auf freaking 5416 Meter hochwandern werde WOOOOOOOOOOOWWWWWWWW CAPOOOOWWWWWWWWWWW.
Gegen Ende werde ich schon echt müde, obwohl wir heute nicht viel gewandert sind. Die gesamte Reise war einfach wahnsinnig anstrengend und ich bin froh, als wir endlich bei unserem Hostel ankommen. Wir überqueren eine coole Hängebrücke über einem wahnsinnig reißenden Fluss und dann sind wir da.
Erstmal frisch machen und was anderes anziehen.
Duschen tue ich nicht. Das wird sich hier die nächsten Tage wohl eher so durchziehen, weil man fürs Duschen immer extra zahlen muss.
Stinken gehört zu so einer Wanderung eh dazu und kann nicht verhindert, sondern nur etwas herausgezögert werden haha.
Das macht mir nichts aus.
Ich setze mich draußen ins “Restaurant” und bestelle Milk-Tea und Dal Bhat. Außer einem Riegel, Keksen und einem Apfel wird das das erste Essen heute und ich freue mich sehr.
Ich schreibe meinen Blog und komme mit Schreiben gar nicht hinterher, weil meine Gedanken zu diesem Tag nur so sprudeln. Es sind einfach so viele wundervolle Eindrücke.
Das Rauschen des Flusses ist SO UNGLAUBLICH LAUT und ich raste jetzt schon aus – mal schauen, ob ich später schlafen kann.
Das Essen kommt an und schmeckt unglaublich gut. Ich beginne, mit einem Löffel zu essen und merke dann, dass ich eigentlich mit der Hand essen will und wechsele. Es schmeckt so irgendwie einfach besser.
Ich genieße es total und als ich fertig bin, mache ich mich langsam auf den Weg ins Bett.
Vorher bespreche ich noch kurz die Route für morgen.
Wir sind jetzt auf 1100 Metern. Morgen soll es auf 2300 Meter hochgehen – etwa 6h.
Wir starten um 8. Tiptoppyyy.
Das Bett ist das Bequemste, dass ich seit Nepal hatte, die Decke bekommt von mir eine 10/10 und ich will am Morgen gar nicht aufstehen. Die Nacht war aber perfekt und das Flussrauschen hat mich nicht gestört :-).
Ich freue mich, auf den heutigen Tag.
Bussi Bussis,
~Maite

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