Surfen und Abschiedspicknick

Dienstag. Ich wache morgens alleine auf und kann einfach laut sein und Musik anmachen – WIE BITTE? Ich muss nicht mehr im Dunkeln durch die Gegend schleichen? MAN IST DAS TOLL!

Ich frühstücke und dann geht es für mich nach Muizenberg – ich habe mir für heute und morgen nochmal zwei Surfstunden gebucht. Das Meer hier muss ich ja auf jeden Fall noch ausnutzen 😉 Zwei Mädels aus meinem Haus haben in Muizenberg schonmal eine Surfstunde gemacht und mir den Kontakt weitergeleitet, also treffe ich mich mit Barry an einem Cafe. Er ist von Anfang an super sympathisch. 

Ich hatte ihm vorher schon ungefähr geschrieben, wobei ich Hilfe brauche. Er hat ein längeres Hardboard mitgebracht und ein Shortboard. EYYYYY mit einem Shortboard könnte man endlich mal cool aussehen, wenn man am Strand langläuft 😉

Er meint, dass er mein Strahlen im Gesicht sofort gesehen hat und meint, wir starten mit dem Shortboard und wenn das nicht klappt, wechseln wir einfach aufs größere. 

Darüber freue ich mich sehr. Das Neo-Aussuchen verläuft nicht so gut, ich habe erst zwei an, die zu groß sind, und muss insgesamt drei Mal in einen Neo rein. Das ist wirklich Folter haha, aber der dritte sitzt dann wenigstens bombenfest. 

Ab ins Wasseeer – ich bin ziemlich aufgeregt: Neues Board, neue Location und neuer Surfcoach – da weiß man immer gar nicht, was einen erwartet. 

In die ersten Wellen schiebt Barry mich rein – erster Pop-Up mit dem Hardboard, ohhhh jetzt wird’s spannend… Maite STEEEHT hihi. Und es fühlt sich noch viel mehr an wie Fliegen als mit  jedem anderem Board zuvor. 

Man fühlt sich einfach so leicht und schnell auf der Welle. Die meisten Wellen, die ich nehme, sind schon gebrochen und nicht so groß – das macht aber gar nichts, weil es mit dem Board einfach so viel Spaß macht. Barry macht mir nur Komplimente und lässt mich die Wellen bald alleine anpaddeln. Das klappt auch ganz gut, aber man merkt schon, dass alles ein bisschen wackliger ist. Man kommt aber auch schnell rein. Barry erklärt mir auch kurz die Theorie zum Duckdiven, meint aber, dass das zu lange brauchen würde für unsere Stunde, deswegen geht es nach der Theorie und einmal ausprobieren mit dem Surfen weiter.  

Die ganze Stunde lang macht es so viel Spaß und ich spüre, wie ich ein bisschen das Board kennenlerne. 

Irgendwann meint Barry, dass er jetzt ein Meeting hier hat, dass ich aber gerne mit dem Board noch im Wasser bleiben kann. Das nehme ich supergerne an und er erklärt mir, wo ich ihn finden kann, wenn ich fertig bin. 

Ich surfe noch so lange, wie es meine Blase aushält – dann ist irgendwann Schluss haha. Ich gebe Barry mein Sufboard und den Neo zurück und er macht noch ein paar coole Bilder. Ich bin ihm mega dankbar für den Tag, er hat mich so krass ermutigt.

04.03.2023 Ab jetzt Profisurferin? Haha

Dann geht es unter die Stranddusche und auf Toilette. Umgezogen und ab ins Uber. Zuhause koche ich mir etwas zu Essen, ich bin am Verhungern. 

Danach mache ich mir einen ruhigen Mittag, ich kann das Haus nicht verlassen bis um 4 Uhr der Wäschemann kommt. Ich habe nämlich nichts Warmes zum Anziehen für mein Abendpicknick. Bis auf die nötigsten Sachen, dass ich die zwei Tage Montag und Dienstag überlebe, habe ich alles am Montag in die Wäsche gegeben, damit alles frisch für Nepal ist. Auf diese Wäsche warte ich heute also. In der Zwischenzeit fange ich schonmal an, zu packen. Hui wie verrückt. 

Bald kommt dann der Wäschemann und Byron holt mich danach ab, um zum Sonnenuntergangspicknick zu fahren. Sein Auto ist noch in der Werkstatt und er kommt deutlich zu spät, was er viel schlimmer findet als ich. In der Zeit wusel ich einfach noch ein bisschen im Haus herum und Manny fährt mit dem Uber zu mir, um auch noch mit in Byrons Auto zu hoppsen. Byron kommt an, zwei Minuten später auch Manny und dann kann der Spaß beginnen. Manny hat mir einfach meine Lieblingspizza mitgebracht, über die wir gestern geredet haben und ich kann nicht mehr. Dieser Mensch ist einfach Gold in Person :‘)

Die Autofahrt ist unbeschreiblich toll. Kein fremder Uberfahrer, sondern zwei Leute, die ich hier lieben gelernt habe, gute Musik, Sonne, ein traumhafter Ausblick und eine unglaubliche Energie. Dazu noch eine Pizza auf dem Schoß und ein lachender Manny hinten drin – ich will hier nie wieder weg. 

Ihr erinnert euch an meine erste Fahrt mit Byron, als er kein Benzin mehr hatte? Here we go again. Wir fahren mitten auf der Schnellstraße, als Byron verkündet, dass er kein Sprit mehr hat.  Ich kann nicht mehr vor Lachen und Byron versucht, noch bis zur nächsten Tankstelle zu kommen, die nichtmehr weit weg ist. Bergab lässt er das Auto in Neutralstellung einfach laufen. Ich glaub’s nicht, wo ich schon wieder gelandet bin… 

Mit Ach und Krach schaffen wir es tatsächlich noch bis zur Tankstelle und der Milchcontainer, der immernoch hinten in Byrons Auto liegt, bleibt diesmal unbenutzt. 

Danach geht es munter weiter zum Strand – ich freue mich so. 

Wir kommen an und ich schicke allen Menschen einen Standort. Dann wird erstmal gute Musik gehört und die Sonne genossen. Wir sitzen nicht am Sandstrand, sondern auf den Felsen weiter rechts. 

04.03.2023 Wunschlos glücklich<3

Byron hat seine Badesachen dabei –  ich meine nicht, weil es schon so spät ist. Das bereue ich jetzt sofort und gehe einfach oben ohne in Unterhose ins Wasser. Wir hoppsen über die Steine und so weiter bis wir am Badeabschnitt angekommen sind. 

Das Wasser ist echt kalt, aber man kann hier so halbwegs reinspringen, was echt ganz cool ist. Da das Meer hier inmitten von Felsen eingekesselt ist und die Sonne auch nicht mehr so stark ist, hat es eine wunderschöne dunkelblaue Farbe. WOW – die Farbe habe ich hier noch gar nicht erlebt. Es sieht so schön aus unter Wasser. Direkt vor mir ist ein riesiger Ballen an Seegras unter der Wasseroberfläche. Wenn man daran vorbeitaucht, wird das Wasser noch dunkler, bis es wieder heller wird und man die Sonne ins Wasser hineinleuchten sieht und ins Sonnenlicht wieder auftaucht. Das fühlt sich schon wieder unbeschreiblich an – die zahlreichen Farbfacetten, das glitzernde Sonnenlicht und die Felsen ringsherum. 

Das wird mir mit am meisten fehlen hier in Kapstadt und es war absolut die richtige Entscheidung nochmal baden zu gehen, auch wenn es vielleicht gleich kälter wird. Nasse Byrons Handtuch klauen, nasse Unterhose ausziehen und einfach die Hose drüberziehen. So sollte das alles einigermaßen passen, ansonsten einfach kuscheln für Körperwärme. Das Picknick ist einfach perfekt. Manny hat noch einen guten Wein mitgebracht und so genießen wir einfach nur zu dritt den Sonnenuntergang. Der Verkehr ist grauenvoll, deswegen verpassen fast alle anderen den Sonnenuntergang. Scott erwischt gerade noch den letzten Zipfel der Sonne, Josh schon nur noch die tollen Farben (Was auch gar nicht so übel ist :-))

20 Minunten nach dem Sonnnenuntergang kommen dann noch Oli, Ocean und Cole an. Das Licht ist aber noch länger so atemberaubend schön, deswegen sitzen wir noch eine ganze Weile da, lachen, kuscheln und reden. 

Das ganze Picknick wird von Penguinyy begleitet, einem Pinguin aus Byrons Auto, mit dem jeder ununterbrochen kuschelt – der ist aber auch einfach so süß und so weich.

04.03.2023 Penguinyyyy, ein traumhafter Sonnenuntergang und tolle Menschen

Ocean bringt mir einen riesigen Schokomuffin mit, den ich eher als Kuchen bezeichnen würde und der fantastisch schmeckt. Der wird liebevoll geteilt, sodass für jeden etwas dabei ist.  

Scott und Josh müssen als erstes gehen, also beginnt der schmerzhafte Abschied. Dieser Abschied ist nochmal so so viel schwerer als von den Leuten in meinem Haus. Die Locals hier kann ich halt nicht mal eben mit dem Auto besuchen, vielleicht sehe ich sie auch einfach nie wieder :‘) Naja irgendwann werden sich die Wege bestimmt nochmal kreuzen. 

Mit den übrigen sitze ich noch am Wasser, bis wir uns auf den Weg zur Waterfront machen, weil dort noch 3 von den Mädels sind, die ich eingeladen hatte. Die sind dort stecken geblieben wegen ein paar Kopien… Ich hasse ja die Waterfront wie die Pest und denke mir, hmmm an meinem letzten tollen Abend – muss das sein? Aber mit den anderen zusammen und um die Mädels nochmal sehen zu können, ist das schon in Ordnung so. 🙂 

Party mit Byron und Manny im Auto, dann treffen wir auch schon die anderen an der Waterfront. Manny trägt mich aufm Rücken und rennt schreiend mit mir durch die Gegend. Ich LIEBE es. 

Die Mädels haben sich einen Kaffee bei Starbucks geholt – ich hole mir mit Manny und Byron Pommes bei McDonalds und setze mich mit Manny auf den Boden, um diese zu essen. VIBE. 

In Mannys HappyMeal ist ein Spielzeug drin, was totaler Mist ist und mich sauer macht haha. Die anderen wollen noch in eine Jazz-Bar, worauf ich aber nicht so Lust habe. 

Ich find’s irgendwie schön, meine Zeit hier mit der Natur und dem Strand zu beenden und nicht in einer stinkigen Bar. Manny und Byron sehen das genauso und wir fahren gemeinsam heim.  

Von Manny verabschiede ich mich nicht richitig, weil wir morgen nochmal auf den Lionshead wollen. Also gibt es nur ein kleines Tschüss. Byron fährt mich nach Hause und da gibt es allerdings jetzt ein echtes Tschüss… :/ Byron war mit Dylan der erste Mensch, den ich hier kennengelernt habe… An meinem 3. Abend, als ich an meinem Kapstadt-Tiefpunkt aus dem scheußlichen Beachclub in die Bar abgehauen bin und mit den beiden einen fantastischen Abend hatte. Ab da hat sich meine Reise um 180 Grad gedreht. Und seitdem war Byron immer auf irgendeine Weise ein Teil von meinem Kapstadt-Abenteuer. Dieser Abschied ist schon sehr sehr hart. So viele tolle Erinnerungen, Benzin leere Autos und vieles mehr. 

Zum Abschied landet Penguiny noch bei mir im Bett. Ich meinte schon die ganze Zeit, dass ich den einfach klauen werde und am Ende meinte Byron, dass er ihn sowieso nicht behalten würde, dass er ihn eigentlich einem Hund schenken wollte. Da sag ich, dass ich ihn unbedingggttttt haben will und Byron gibt ihn mir mit einem Strahlen. Hehe yipiieeee – jetzt bin ich nicht alleine in Nepal und ein Andenken an dieses wundervoll, unbezahlbare Abenteuer habe ich jetzt auch für immer. 

Byron kommt noch kurz mit rein und dann verabschieden wir uns in einer endlosen Umarmung. 

Es fühlt sich schon komisch an, als Byron mit seinem Auto wegfährt…

Und dann –  wie könnte es anders sein, weil ich nach Hause komme – LOADSHEDDING. ALTTTERERRRRRRRRR ES REICHT. Stirnlampe, Zähne putzen und ab ins Bett.

Bussi Bussis,

~Maite

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